Hamburg – Leitungsbau im Torf mit RSS-Geoponton
Rund 600 m Gas- und Erdkabeltrasse wurden im stark setzungsempfindlichen Torfboden mit einem RSS-Geoponton realisiert – ohne Wasserhaltung und ohne Bodenaustausch.
Flüssigboden Engineering
Wasserdichter Leitungsgraben im Torf bei oberflächennahem Grundwasser
Im Zuge des Neubaus der A26 mussten an der Waltershofer Straße in Hamburg eine Gashochdruckleitung DN 400 umverlegt, eine weitere Leitung neu hergestellt und gleichzeitig umfangreiche Erdkabel-Leerrohrsysteme verlegt werden. Der rund 600 m lange Trassenkorridor verläuft durch mehrere Meter mächtige Torfschichten mit extrem hohen Wassergehalten und oberflächennahem Grundwasser.
Eine konventionelle Ausführung hätte großflächige Wasserhaltung, Spundungen und einen vollständigen Bodenaustausch erfordert. Stattdessen wurde ein RSS-Geoponton aus dem vorhandenen Torf hergestellt, der einen trockenen und nahezu wasserdichten Leitungsgraben schafft und gleichzeitig Bettung, Lastabtrag und Setzungsvergleichmäßigung übernimmt.




































Herausforderungen
- Torfschichten mit Mächtigkeiten von 2,4 bis 4,3 m
- Extrem hohe Wassergehalte des Torfs von 407 bis 684 %
- Grundwasser bereits 0,3 bis 0,5 m unter Geländeoberkante
- Prognostizierte Setzungen von bis zu 2,7 m
- Gefahr kritischer Differenzsetzungen und Leitungsverformungen
- Mineralisierung und Volumenverlust des Torfs bei Trockenlegung
- Sehr kurzes Zeitfenster zwischen Aushub und Verfüllung
- Vorgabe, den ausgehobenen Torf vollständig im Baufeld zu belassen und wiederzuverwenden
Die Lösung
- Herstellung eines nahezu wasserdichten RSS-Geopontons
- Verwendung des vor Ort ausgehobenen Torfs als Ausgangsmaterial
- Erstaushub und Flüssigbodeneinbau im und unter Wasser
- Zweitaushub innerhalb des rückverfestigten Flüssigbodenblocks
- Trockener Leitungsgraben ohne zusätzliche Wasserhaltung
- Verzicht auf zusätzlichen dauerhaften Verbau
- Zweitverfüllung mit Flüssigboden aus dem zuvor ausgehobenen Flüssigboden
- Dauerhafte Bettung und Vergleichmäßigung der auftretenden Setzungen
Fachplanerische Lösung
- Auswertung der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse
- Untersuchung von sieben technischen Lösungsvarianten
- 2D- und 3D-FEM-Berechnungen der Bau- und Endzustände
- Setzungs- und Verformungsnachweise
- Nachweis des erforderlichen Erstaushubs unter Wasser
- Auftriebsnachweise der Gasleitungen
- Dimensionierung der RSS-Rohrverlegehilfen
- Planung der Übergangs- und Anschlussbereiche
- Entwicklung eines projektspezifischen Qualitätssicherungskonzepts
FiFB-Lösungen
- Entwicklung projektspezifischer Rezepturen aus Torf und Torf-Sand-Gemischen
- Einstellung einer Wasserdurchlässigkeit von rund 10⁻⁹ m/s
- Unterschiedliche Wichten für äußeren und inneren Flüssigbodenblock
- Anpassung von Größtkorn und Zieldichte an das Einbauverfahren
- Einsatz plastischer Flüssigbodenkonsistenzen für Auflager, Fixierung und Abdichtung
- Eignungsnachweise anhand von Prüfkörpern
- Laufende Eigenüberwachung und Probenahme
- Freigabe zum Zweitaushub mittels Penetrationsmessungen
Flüssigboden-Anwendung
- Leitungsbau in organischen Weichschichten
- Gas- und Stromtrassen bei oberflächennahem Grundwasser
- Wasserdichte Leitungsgräben ohne Wasserhaltung
- Leitungsbau ohne dauerhaften Verbau
- Trassen mit hohen Anforderungen an die Setzungsverträglichkeit
- Wiederverwendung stark wasserhaltiger Torfböden
- Projekte mit vorgeschriebenem Verbleib des Aushubbodens im Baufeld
