Burkheim
Durchlassbauwerk und Deichsanierung
Im Rahmen der Sanierung des Durchlassbauwerks BW 5.27 sowie der angrenzenden Deich- und Flussbettbereiche im Rückhalteraum Breisach/Burkheim bestand die zentrale Herausforderung darin, eine hydraulisch und geotechnisch sichere Lösung unter hochsensiblen wasserbaulichen, umwelttechnischen und betrieblichen Randbedingungen umzusetzen.
Besondere Herausforderungen:
- Sanierung eines bestehenden Durchlasses und gleichzeitige Erneuerung des Dammkörpers unter laufendem Hochwasserschutzbetrieb.
- Hohe Anforderungen an die hydraulische Standsicherheit (Sickerwegsverlängerung, Schutz gegen hydraulischen Grundbruch und rückschreitende Erosion).
- Wechselnde Bauzustände (Trockenwetter, Starkregen, Hochwasser) in unmittelbarer Nähe zum Rhein.
- Vermeidung umfangreicher Bodenaustauschmaßnahmen sowie konventioneller, eingriffsintensiver Sicherungsbauweisen (z. B. Spundwände, mehrschichtige Deichaufbauten, massive Betonbauwerke).
- Nutzung und Wiederverwertung des anstehenden Bodenmaterials unter Einhaltung der Vorgaben des BBodSchG, der VwV Boden sowie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.
Die Lösung:
- Rückbau des bestehenden Durchlasses und sukzessiver Abtrag des Dammkörpers ohne tiefreichende Baugruben, ohne temporäre Spundwandsicherungen und ohne massive Verbausysteme.
- Herstellung eines neuen Wellstahl-Durchlasses mit lagerungs- und setzungsfreier Einbettung in RSS-Flüssigboden, einschließlich definierter Reibungs-, Bettungs- und Lastabtragungseigenschaften.
- Einsatz des Flüssigbodens als tragender, abdichtender und hydraulisch wirksamer Stützkörper zur gezielten Sickerwegsverlängerung und Reduktion hydraulischer Gradienten.
- Schichtweiser Wiederaufbau des Dammkörpers mit Flüssigboden unter kontrollierter Rückverfestigung, wodurch homogene Spannungszustände und eine langfristige Standsicherheit des Deichkörpers gewährleistet wurden.
- Ausbildung der Sohl- und Böschungsbereiche des Flussbettes in Kombination aus Flüssigboden und naturnahen Sicherungselementen (z. B. Steinschüttungen), ohne massive Betonbauweisen.
- Substitution konventioneller Flusssohlaufbauten:
→ Ersatz einer ca. 20 cm starken Schotterschicht durch Flüssigboden aus örtlichem Material, lediglich eine dünne Schotterschicht im oberflächennahen Bereich. - Setzen von Fluss- und Sicherungssteinen direkt in Flüssigboden, wodurch eine form-, lage- und erosionsstabile Flussbettgestaltung erreicht wurde.
Fachplanerische Lösungen:
- Erstellung der erd- und hydraulischen Standsicherheitsnachweise gemäß DIN 19700
(Nachweise gegen Böschungsbruch, hydraulischen Grundbruch und Unterströmung). - Hydrogeologische Modellierung zur Bewertung der Grund- und Oberflächenwasserwechselwirkungen.
- Nachweis der hydraulischen Sicherheit durch gezielte Sickerwegsverlängerung mittels Flüssigboden.
- Integration der geotechnischen Kennwerte des örtlichen Bodens in die statischen und hydraulischen Modelle.
- Abstimmung sämtlicher Bauzustände (BZS 1 / BZS 2) einschließlich Hochwasserkonzept und Notfallplanung.
- Deichsanierung und dauerhafte Abdichtung mit Flüssigboden, nachdem der neue Durchlass gesetzt wurde.
- Einsatz des Flüssigbodens als gleichzeitig wasserdichtes und standsicheres Deichbaumaterial, welches den konventionellen mehrschichtigen Deichaufbau mit dichtem Kern, Schutzschichten und äußerer Abdichtung ersetzt.
- Ausbildung einer monolithischen, dichten und tragfähigen Deichstruktur aus örtlichem Material ohne lagenweisen Aufbau.
- Modellierung des Flussbettes mit abrasionsfest eingestelltem Flüssigboden.
- Reduzierte Flusssohlgestaltung mit Schotter bei gleichzeitiger Substitution mineralischer Schichten durch Flüssigboden.
- Enge Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden hinsichtlich Wasser-, Umwelt- und Abfallrecht.
- Rezepturentwicklung des RSS-Flüssigbodens auf Basis des anstehenden Bodenmaterials.
- Sicherstellung definierter mechanischer Eigenschaften
(E-Modul, Scherfestigkeit, Durchlässigkeit, Erosionsbeständigkeit). - Gewährleistung einer schwindungsfreien, setzungsarmen und dauerhaft stabilen Verfüllung.
- Verwendung des Flüssigbodens als:
- Bettungsmaterial,
- Stützkörper,
- Dichtmaterial im Durchlass-, Damm- und Flussbettbereich.
- Dokumentation der Kurz- und Langzeiteigenschaften im Rahmen der Qualitätssicherung.
FB-Anwendungsbereiche:
- Deich- und Dammsanierungen im Hochwasserschutz.
- Durchlass- und Flussbettbauwerke unter hydraulisch anspruchsvollen Bedingungen.
- Projekte mit hohen Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Bauzeit.
- Substitution konventioneller Bauweisen wie Spundwände, Betonbauwerke und Bodenaustausch.
Bildergalerie
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